Lost Places - Sperrzone von Tschernobyl

Pripjat, Sperrzone von Tschernobyl und andere verlassene Orte

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Ganbare Fukushima (がんばれ福島県)

Ganbare Fukushima (がんばれ福島県)Vor einem Jahr geschah in Japan eine schreckliche Naturkatastrophe, die zu einer Reihe von schweren Störfällen im AKW Fukushima – Daiichi geführt hat. Tausende von Toten und Vermissten, hunderttausende japanische Bürger die das Leid ertragen mussten, viele davon haben immer noch nicht zur Normalität zurückfinden können. Ganze Städte und Siedlungen die in den Ozean gespült wurden, ein kolossaler wirtschaftlicher Schaden – das ist die traurige Statistik dieser Katastrophe.

Japan ist ein faszinierendes Land mit einer unglaublich reichen Kultur und Geschichte, bemerkenswerten Traditionen, fantastischer Landschaft und Architektur sowie bewundernswerten Menschen. Wir besuchten das Land im Winter 2011 – 2012. Es fällt mir wirklich schwer alle unsere Eindrücke in Worte zu fassen. Jedoch waren es nicht die Natur und die Tempel, nicht die Technik und das japanische Wirtschaftswunder die uns fasziniert haben. Es waren die Japaner selbst. Wir können einfach nicht aufhören den unglaublichen Mut, die Courage und Widerstandsfähigkeit der Japaner zu bewundern. Trotz der schrecklichen Folgen der Katastrophe hat das japanische Volk nicht aufgegeben in sich nach Kraft zu suchen und des schmerzhaften Verlustes ungeachtet nach vorne zu schauen. Während der in Japan verbrachten Wochen trafen wir die Vertreter örtlicher Behörden, Polizisten, Dekontaminierungsarbeiter, ehrenamtliche Beschäftige, und ganz normale Bürger aus den betroffenen Regionen. Jeder von ihnen trägt die schwere Last der Folgen dieser Katastrophe mit sich. Viele verloren ihre Verwandten und Freunde nach dem Tsunami, viele verloren ihr Zuhause und waren gezwungen bei Verwandten oder in Evakuierungslagern zu leben. Viele mit denen wir uns unterhielten waren von ihrer Regierung enttäuscht oder hatten erhebliche vorwürfe TEPCO gegenüber und klagten über ihre jetzige Lebenslage. Das ist eine normale, zu erwartende Reaktion. Trotz alle dem, hatten all diese Menschen eine bewundernswerte Einstellung gegen dieses Unglück anzukämpfen. Keine Profis, sondern ganz einfache Menschen aus Fukushima wurden zu Dekontaminierungsarbeitern, Dosimetristen und Aktivisten. Dem Unglück zum Trotz haben sie nicht aufgehört an ihr Land zu glauben und taten alles Mögliche und manchmal sogar das Unmögliche, damit die Region Tohoku ihre Wiedergeburt erleben kann.

Im Jahre 2011 drehte der Fernsehsender NHK einen Film mit dem schönen Namen „Sehen sie denn unsere Lichter?“. Der Film wurde den japanischen Sommerfesten, die bereits seit Jahrhunderten stattfinden, gewidmet. Viele der Veranstaltungsorte wurden durch das Erdbeben und den nachfolgenden Tsunami verwüstet, andere befanden sich danach innerhalb der Sperrzone. Trotzdem haben die Menschen aus Rikudsentakata, Soma, Minamisoma und aus den anderen Orten der Region Tohoku sich für die Durchführungen ihrer Sommerfeste entschieden. Was wollten diese Menschen, die noch vor kurzer Zeit ihre Verwandten beerdigt haben, damit erreichen? Die Menschen, die ihre Häuser und das Land ihrer Ahnen durch die Verseuchung mit Radioaktivität verloren haben? Die Menschen, die von ihren Familien getrennt wurden, ihre Arbeit und somit die Existenzgrundlage verloren haben? Was hat sie dazu gezwungen unter solchen schwierigen Voraussetzungen Feste zu feiern, wohl wissend dass es sich nur wenige Besucher dorthin trauen würden? Ich denke die Antwort ist offensichtlich – es ist die unglaubliche Willenskraft der Japaner, der Glaube an ihr Land und ihre Stärke, ihre Wurzeln und ihre Tradition. Wenn Unglücke geschehen gilt sich Asche auf das Haupt zu streuen und zu trauern als eine normale Reaktion. Das Faszinierende an dieser Situation ist wenn die Menschen in sich Kräfte finden um aufzustehen, ihren Willen zu sammeln und weiterzugehen. Im Jahre 2011 haben Tausende der wundervollen Lichter an verschiedenen Festen in Tohoku sowie die zarte Blüte der Takisakura Miharu und die galoppierenden Pferde der Soma Samurai der ganzen Welt angekündigt - die Region Tohoku wird wieder aufleben!

Wir verbeugen uns vor der Willenskraft und dem Mut der Japaner. In tiefster Trauer mit dem japanischen Volk, das diese schreckliche dreifach Katastrophe überlebte, wollen wir sagen – wir glauben an euch und an eure Kraft, wir sehen eure Lichter! Und wir wissen – Tohoku wird wiederaufleben. Weder Naturkatastrophen noch die von Menschenhand verursachten Desaster können je ein Land in die Knie zwingen in dem solche Menschen leben!

がんばれ福島県, がんばれ東北地方, がんばれ日本!

Ganbare Fukushima, Ganbare Tohoku, Ganbare Japan!

 

Kurze Info:

Am 11.März 2011, um 14:46 örtliche Zeit, ereignete sich in Japan das bisher schwerste Erdbeben seit dem Beginn der Aufzeichnungen. Während der nachfolgenden 10 bis 30 Minuten erreichten die japanische Küste bis zu 40 Meter hohe Tsunamiwellen. Die Präfekturen Miyagi, Iwate und Fukushima traf es besonders hart. Laut dem Bericht der japanischen Polizeiagentur vom 12.März 2012 waren infolge des Erdbebens und des Tsunamis insgesamt 15 854 Menschen ums Leben gekommen, 3 155 Menschen gelten als vermisst, 26 992 Menschen wurden verletzt. Das Erdbeben und der Tsunami haben zum Ausfall der externen Stromversorgung und der Dieselgeneratoren im AKW Fukushima-Daiichi geführt, was wiederrum den Ausfall aller regulären Kühlsysteme und der Notkühlsysteme zur Folge hatte. In den darauffolgenden Tagen ereignete sich die sog. Kernschmelze im 1., 2. und 3. Reaktorblock des AKWs. Ab dem 11.März hatte die japanische Regierung mit der Evakuierung der zum AKW angrenzenden Regionen begonnen. Am 24. März wurde das Radius der Sperrzone bis auf 30 km erweitert. Einige hunderttausend Menschen mussten ihre Häuser verlassen und entweder bei Verwandten oder in Evakuierungslager außerhalb der Sperrzone Zuflucht suchen.

Nataliya „Tamerlan“ Khan


 

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Die Sperrzone von Tschornobyl

Von Yevgen KRANZ Goncharenko

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